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Der Geschmack von Apfelkernen

Das war ein schönes, leichtes Lesevergnügen und passte perfekt in den norddeutschen Sommer, ich hab mich beim Lesen fast im Urlaub irgendwo noch weiter im Norden gefühlt.

Eine schöne, feinsinnige Geschichte, die in verschiedenen Zeiten spielt - Iris, die den Sommer mit ihren Cousinen auf dem norddeutschen Land bei ihren Großeltern verbringt und die Iris, die das Haus der Großeltern gerade geerbt hat und nun einige Tage im Ort verbringt, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen: Haus behalten oder nicht. Geplant waren ein oder zwei Tage, am Ende bleibt sie länger und länger und beim Lesen erliegt man selbst dem Charme des Ortes und dem von Max. Max, der kleine Bruder ihrer Freundin, der damals nur geärgert worden ist, der nun noch vor Ort lebt. Beide nähern sich einander mit ruppiger Art und es entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte. Überschattet wird die hübsche, leichte Geschichte immer wieder von Rückblenden in die Vergangenheit, in der sich einige tragische Familiengeschichten und-unglücke zugetragen haben. Aber die gehören zu diesem Buch und zu Iris und sind wichtig, dass das Buch nicht ins Kitschige abdriftet. Ich habe viel an Kritik gelesen , dass das Buch eindeutig zu kitischig ist. In anderer Stimmung wäre mir das vielleicht auch so ergangen, aber ich konnte ein wenig Kitsch und Sommerfrische im norddeutschen Regen ohne Urlaub in Sicht gut gebrauchen.

Besonders gerne gelesen habe ich das Buch wegen der schönen Bilder, die es immer wieder malt:

»Aber um nichts in der Welt hätten wir die Sättel heruntergeschraubt, das war eine Frage der Ehre. Wir fuhren in alten Kleidern von Anna, Bertha, Christa, Inga und Harriet. Fahrtwind bauschte den hellblauen Tüll, schwarzer Organza flatterte, und die Sonne spiegelte sich im goldenen Satin. Mit Wäscheklammern steckten wir die Sachen hoch, damit sie uns nicht in die Kette kamen. Und barfuß radelten wir zum Fluss.«