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Die Arglosen

Segal, Segal, …? Der Name kam mir bekannt vor und ja, bei der Autorin handelt es sich um die Tochter des Autors von „Love Story“ und eine Liebesgeschichte ist auch diese schöne Geschichte der Tochter. Eine zweifache sogar, eine eigentlich sehr glückliche und eine dramatische, unglückliche, die nicht sein soll.

Adam und Rachel sind schon eine gefühlte Ewigkeit zusammen, wie die meisten in ihrem Freundeskreis, was nicht weiter verwunderlich ist, weil die Beziehungen eingesponnen sind in das engmaschige Beziehungsgeflecht einer jüdischen Gemeinde in Nordlondon, wo scheinbar jeder jeden kennt und ständig irgendetwas gefeiert wird. Ihre Liebe scheint auch genauso entstanden zu sein – einer gewissen Pragmatik und Vernunft unterworfen, man kennt sich eben , man schätzt sich.

Zum Teil liest sich die Beschreibung der Beziehung dann eben auch wie aus den 50er Jahren, wo die Frau im Kuchenbacken aufgeht und der Mann Karriere macht oder wie die Beschreibung der Beziehung der eigenen Großeltern. Kein Wunder, dass diese Vernunftsfassade bröckelt als Ellie ins Spiel kommt, die Cousine von Rachel, die mit allen jüdischen Konventionen und überhaupt allen Konventionen gebrochen haben zu scheint und eine schillerndere, spannendere Verheißung für Adam zu sein scheint…

Die Geschichte von den scheinbar spannenderen Versionen des eigenen Lebens, die eine dritte Person verheißungsvoll verkörpert, ist schon oft erzählt worden, trotzdem folgt man ihr auch hier gerne. Noch viel lieber habe ich die Geschichte aber ehrlich gesagt aus blanker Neugier gelesen, ins jüdische Alltagsleben der Neuzeit mit all seinen Festen, Ritualen und Verpflichtungen einzutauchen hat mir in dem Buch durchaus mehr gegeben als die Liebesgeschichte, die zuweilen etwas zu konstruiert erschien.

Fazit in jedem Fall: kann man gut lesen. Wer sich auf eine schön erzählte Geschichte mit kulturellem Background einlässt, ist hier genau richtig.