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Extrem laut und unglaublich nah

Das wohl beeindruckendste Buch, was ich in diesem Jahr bislang gelesen habe. Ich bin bei dem Buch eindeutig Very Late Adapter, es hat ja jeder schon längst gelesen. Und wer das, wie ich, noch nicht getan hat: Schleunigst nachholen!

Ja, ein Wälzer, aber einer von denen, die man inhaliert, von denen man gar nicht genug bekommen kann. Geschichte und vor allem Sprache entwickeln einen derartigen Sog. Safran Foer ist wirklich virtuos in seiner Fähigkeit, mit Sprache umzugehen. Jeden Satz kann man mehrfach lesen - ich bin so begeistert davon, wie er mit Sprache umgeht.

Aber auch inhaltlich fesselnd: Oskar Schell hat seinen Vater bei den Anschlägen auf die World Trade Center verloren. Eines Tages findet er einen geheimnisvollen Schlüssel und macht sich auf die Suche nach seinem Vater. Die Suche nach der Vergangenheit, dieses Motiv kennen wir schon aus „Alles ist erleuchtet“, aber diesmal setzt Safran Foer es, wie ich finde, noch gekonnter um. Oskar trifft im Laufe der Geschichte viele verschiedene Menschen, ein jeder so fein gezeichnet, genau das ist die Stärke des Besuchs, auch noch jede noch so kleine Person in der Geschichte, wird mit viel Detailliebe gezeichnet.

Parallel wird dabei in Rückblicken die Geschichte des Bombenangriffs auf Dresden erzählt, den Bombenangriff, den seine Oma und sein Opa erlebt haben, auch deren Geschichte wird im Buch auf sehr berührende Weise erzählt. Generell ist dies ein sehr berührendes emotionales Buch von Verlust, Schicksalsschlägen, zwei unfassbar tragischen Geschichten der Weltgeschichte. Beide habe ich danach noch einmal nachrecherchiert und mich eine Weile damit beschäftigen müssen, weil dieses Buch viel aufgewühlt and angerührt hat.

Und auch wenn das angesichts dieser Geschichten grotesk klingt: es macht Spass, das Buch zu lesen.

Besonders für mich war das Motiv des „Falling Man“ vom 9.September, mit dem ich mich aus künstlerischer Sicht gerade vorher beschäftigt hab und die Tatsache, dass das Motiv von „Turtles all the way down“ von John Green im Buch auftaucht. „Turtles all the way down“ hatte ich gerade kurz vorher gelesen und wie schräg war es, dass auf Seite 24 genau das Motiv auch auftauchte jetzt? Im Nachhinein hat John Green vermutlich seine Inspiration hier gefunden, also vielleicht gar kein so großer Zufall. Für mich jedoch verblüffend, dass das Motiv zweimal hintereinander in den von mir gewählten Büchern auftauchte, deren Erscheinen 13 Jahre trennten.

„… Am Besten gefällt mir das erste Kapitel, in dem Stephen Hawking von einem berühmten Wissenschaftler erzählt, der einen Vortrag darüber hält, wie die Erde um die Sonne kreist und die Sonne im Sonnensystem und so weiter. Schließlich meldet sich eine ganz hinten sitzende Frau und sagt: ‚ Was Sie da erzählen, ist doch völliger Unsinn. In Wahrheit ist die Erde eine Scheibe, die auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte ruht.‘ Daraufhin fragt sie der Wissenschaftler, worauf die Schildkröte ruhe. Und sie antwortet: ‚ Aber es sind doch alles Schildkröten, bis ganz unten.‘

Lest das Buch! Lest alles von Safran Foer!