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Unorthodox

Was für ein grandioses Buch! Zurecht direkt nach Erscheinen auf der Bestsellerliste der New York Times und ausverkauft.

Auch dieses Buch erzählt von der Befreiung der Protagonistin - aber nicht wie bei Eddy aus der Enge der französischen Provinz, sondern aus der Enge einer jüdischen Gemeinde und ihren strengen, komplett aus der Zeit gefallenen Ritualen und Gesetzen, was inmitten New Yorks nahezu grotesk anachronistisch erscheint, inmitten der Stadt, die vermutlich wie keine weitere für Weltoffenheit steht.

Und doch, es gibt sie exakt hier: eine große chassidische Gemeinde mit extrem fremdartig erscheinenden und altertümlich anmutenden Bräuchen und Gesetzen. Dieser Roman erzählt autobiographisch davon, wie Frauen lange, unförmige Kleidung tragen, sich die eigenen Haare abrasieren und unter Perücken verstecken, damit kein fremder Mann ihr Haar sieht, wie sie zu bizarren und demütigenden Waschungsritualen müssen, wie Ehen arrangiert werden , was für ein unfassbares Theater um die Periode der Frau gemacht wird, wie demütigend das für die Frau ist...

Man liest mit einer Mischung aus komischen Gebanntseins, weil man so nah und ehrlich noch nie von dieser Welt gelesen hat , und kompletten Abgeschrecktsein. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass mich inhaltlich dieses Buch vermutlich niemals angesprochen hätte, wäre es nicht in aller Munde gewesen.

Aber es ist tatsächlich genau das Buch, das ich im Urlaub nicht aus der Hand legen konnte, ich musste lesen lesen lesen, am jüdisch-chassidischen Leben und dem allmählichen Ausstieg aus diesem Leben teilhaben. Das Buch hallte länger in mir nach als ich für das Lesen gebraucht hatte.

Eindeutige Leseempfehlung auch auch klare Empfehlung für ein Buch, das man verschenken möchte!